Was verändert werden kann!

 

Studienbedingungen und Qualität

 Eines unserer wichtigsten Anliegen ist nach wie vor die ausreichende Bespielung aller Lehrveranstaltungen in den laufenden Curricula. Um die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit oder Betreuungspflichten und Studium zu erhöhen, fordert die IG Geschichte den Ausbau von Blocklehrveranstaltungen und Lehrveranstaltungen am Abend.

Ebenso wollen wir bei weitem mehr englischsprachige Lehrveranstaltungen pro Semester, da diese ein wichtiges Qualifikationsprofil für alle StudentInnen sind. Ein weiterer Punkt ist das adäquate Angebot von Exkursionen in den Masterstudiengängen. Bis dato war die Auswahl thematisch sehr eingeschränkt und meist fanden Exkursionen nicht im jeweiligen Masterkontext statt. Deshalb ist es uns wichtig, dass MasterstudentInnen ihren Interessen und persönlichen Schwerpunkten gemäß, Exkursionen angeboten bekommen.

Diese Beispiele zeigen nur einen Teil des Defizits in der Planung der Lehre auf, was nicht zuletzt auch auf eine rigide Sparpolitik der Universität zurückzuführen ist. Abermals fordern wir, dass die Umsetzung der Curricula durch ausreichende Finanzierung gesichert wird!

Nachdem das Studium der Geschichte einige curriculare Veränderungen durchgemacht hat, scheint es oft auch für Lehrende nicht einfach zu sein, am laufenden zu bleiben. Daher kommt es oft zu nicht ausreichender Beschreibung oder Fehlinterpretationen von Inhalten und Prüfungsmodalitäten im Vorlesungsverzeichnis. Den StudentInnen dürfen korrekte und aufgeschlüsselte Anforderungen nicht vorenthalten werden, weshalb wir darauf drängen, dass die Angaben im Vorlesungsverzeichnis vollständig und aussagekräftig sind.

Immer öfter werden Stimmen seitens der Universität laut, dass vier Prüfungstermine zu viel seien und deshalb auch nicht immer angeboten werden. Da es aber im Universitätsgesetzt (UG 2002) rechtlich verankert ist und die vier Prüfungstermine eine erhebliche Erleichterung in der Gestaltung des Studiumverlaufs darstellen, besteht die IG Geschichte darauf, dass alle Lehrenden diese vier Prüfungstermine auch tatsächlich abhalten.

Unsere Engagement wird vielerseits, aber vor allem durch die Studienservicestellen, unterstützt. Diesen fallen de facto alle administrativen Angelegenheiten zu, weshalb wir es für unabdingbar erachten, dass diese durch eine personelle Aufstockung entlastet werden, um weiterhin gute Arbeit leisten zu können.

 

 

 

 

 

Barrierefreiheit

 

Obwohl es zwar wichtig und unerlässlich ist, dass alle Räumlichkeiten der Universität – seien es nun beispielsweise Hörsäle, Seminarräume oder Bibliotheken – für alle Studierenden zugänglich sind, so wird doch oft darauf vergessen, dass Barrierefreiheit wesentlich mehr bedeutet: deshalb werden wir nicht müde, Barrierefreiheit sowohl für körperliche als auch für psychisch beeinträchtigte StudentInnen zu fordern.

Es muss selbstverständlich sein, dass beispielsweise Audiostreams und Skripten bzw. Mitschriften von Lehrenden automatisch zur Verfügung gestellt werden und es muss auf  individiduelle Spezifika eingegangen werden. Ein weiterer wichtiger Punkt wäre, dass die Anwesenheitspflicht bei prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen fällt, um auch Personen, welche aus unterschiedlichsten Gründen nicht durchgehend anwesend sein können, ein Fortkommen im Studium zu ermöglichen, ohne sich selbst erklären zu müssen. Um eine solche Vorgangsweise sinnvoll umsetzen zu können, müssen wir auf eine Zusammenarbeit mit dem Diversity Management der Uni Wien bauen, um diese Forderung der SPL und den einzelnen Lehrenden gegenüber, in die Tat umsetzen zu können.

 

Feminismus? Selbstverständlich!

Seit Jahren fordern wir von den zuständigen Gremien der Uni Wien eine verstärkte Auseinandersetzung mit feministischen Themen ein. So erachten wir es für notwendig, dass sowohl auf Ebene der Studienplänen als auch hinsichtlich des Angebots und der inhaltlichen Ausrichtung der Lehre frauen- und geschlechtergeschichtliche Aspekte Berücksichtigung finden und einer Marginalisierung dieses Bereiches entgegengewirkt werden kann. Eine Beschäftigung mit Geschichte aus einer rein männlichen Perspektive wurde lange genug gelehrt und propagiert – es ist Zeit dies zu verändern und einer feministischen Geschichtsschreibung Raum zu geben! Der IG Geschichte ist es in diesem Kontext gelungen, zumindest eine frauen- und geschlechtergeschichtliche Lehrveranstaltung für alle Bachelor- und Lehramtsstudierenden verbindlich zu machen.

Wieso es so wichtig ist, sich mit Frauenförderung und genderspezifischen Inhalten auseinanderzusetzen, kann durch ein paar Zahlen aus dem Universitätsbetrieb veranschaulicht werden: Obwohl bei den AbsolventInnen eines Bachelorstudiums (2016/17) Frauen mit 68,0 % deutlich vorne liegen, sind es bei den DoktoratsabsolventInnen nur mehr 54,5%. Schaut man sich die Geschlechterverhältnisse bei den Habilitationen und Berufungen an, wird die gläserne Decke erkennbar: Nur 33% der Habilitierten sind Frauen und nur 23% der neu auf Laufbahnstellen berufenen Personen sind weiblich. 2011 gab es tatsächlich noch drei Fakultäten, die keine einzige Professorin hatten; der durchschnittliche Prozentsatz liegt an der Uni Wien 2018 bei 28,6%[1]! Diese Zahlen sollen anschaulich machen, wie stark der Frauenanteil sinkt, je höher der Abschlussgrad bzw. die Position im universitären Betrieb wird. Dies wird sowohl durch Frauen oft zugeschriebene Eigenschaften, durch die sie für Führungspositionen angeblich nicht geeignet sind, legitimiert, als auch durch Männerbündeleien weiter verstärkt. Zusätzlich wird Frauen eine wissenschaftliche Karriere durch Mehrfachbelastungen, die zum Beispiel durch Betreuungsverpflichtungen entstehen, stark erschwert, da die Zeit, um Erfahrung an anderen Universitäten oder in der Lehre zu sammeln oder zu publizieren, oftmals drastisch verkürzt wird.

Das sind Gründe, warum wir als Institutsgruppe auch diese Wahl wieder fordern: Mehr Frauen in höhere Positionen und eine intensivere Auseinandersetzung mit genderspezifischen Themen in Lehrveranstaltungen und abseits des universitären Betriebs! Männerbündeleinen stoppen und Frauen aktiv und gezielt fördern!

 

Lehramt

 

Das Lehramt wird seitens der Universität als Stiefkind der fachwissenschaftlichen Studien angesehen. Das ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass es tatsächlich immer ein „Anhängsel“ der Fachwissenschaften war. Dies sollte sich nun aber grundlegend ändern. Ein Zentrum für LehrerInnenbildung (ZLB) soll die (Aus)Bildung von LehrerInnen bündeln und damit einhergehend das Lehramt stärker in das Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Die IG Geschichte ist seit jeher bemüht, das Lehramt aus seinem „Schattendasein“ zu holen und fordert, dass mit der Implementierung des Bachelor-Master-Systems die Gestaltung des Studienplans so durchgeführt wird, dass eine qualitativ hochwertige Ausbildung gesichert ist. Nachdem die Universität Wien vorsieht, einen 8-semestrigen Bachelor, gefolgt von einem 3-4-jährigen berufsbegleitenden Master, anzubieten, ist es eine grundsätzliche Forderungen der IG Geschichte, dass der Bachelor so wenig Voraussetzungsketten wie möglich enthält, um das Studium frei gestalten zu können.

Darüber hinaus ist ein „Eignungstest“ geplant, der die Kompetenzen von zukünftigen LehrerInnen feststellen soll. Sei es, dass dieser „Eignungstest“ schon vor dem Studieneintritt zu Tragen kommt oder im Zuge des ersten Semesters: wir treten jeglicher Selektion entschlossen entgegen und verlangen, dass eine angeleitete Selbstreflexion und–evaluierung innerhalb des Studiums durchgeführt wird. Wir fordern für die zukünftige StEOP ein ausgewogenes Verhältnis von fachdidaktischen, fach- und bildungswissenschaftlichen Lehrveranstaltungen.

LehramststudentInnen, welche zurzeit noch im laufenden Studienplan studieren, muss es ermöglicht werden, ihr Studium ohne unnötigen Druck abzuschließen. Die Lehrveranstaltungen für das bisheriges Studium müssen in ausreichender Zahl angeboten werden. Weiters muss auch sichergestellt werden,  dass ein Umstieg ohne den „Verlust“ von bisher absolvierten Lehrveranstaltungen, in den Bachelor bzw. Master, gewährleitet ist. Auch der Master muss für AbsolventInnen des derzeitigen Lehramtsstudiums ohne Hürden geöffnet werden, um weitere Spezialisierungen zu ermöglichen.

Ein großes Problem ist das derzeitige Angebot von Fachdidaktiklehrveranstaltungen. Lehrveranstaltungen, wie der Grundkurs Fachdidaktik I, sind einerseits hoffnungslos überfüllt  und werden generell in geringer Zahl angeboten. Wir fordern daher, dass es genügend Fachdidaktiklehrveranstaltungen gibt, bei welchen die im Curriculum vorgesehene TeilnehmerInnenzahl nicht überschritten wird. Eine qualitativ-hochwertige Fachdidaktiklehre mit Schulpraxis kann nur in diesem Rahmen stattfinden.

 

 

 

 

Kein Fußbreit

 

Ob es Schmissfressen sind, die jeden Mittwoch um 12 ihre Präsenz auf der Uni demonstrieren, oder schwarz-gelbe Sticker der nicht weniger rassistisch und völkisch auftretenden Identitären im Stadtbild: rechtsextreme Tendenzen sind auf der Uni Wien leider noch längst nicht passé. Von den 42% der ÖsterrreicherInnen, die dem Nationalsozialismus noch immer etwas Gutes abgewinnen können, studieren eben einige auch an der Universität.

Doch nicht nur bei Studierenden, auch von Lehrenden wird noch immer rassistisches und rechtsextremes Gedankengut vertreten. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, solche Lehrinhalte im Rahmen unserer Möglichkeiten zu verhindern und zu bekämpfen.

 

Aber auch im Umgang mit ihrer Geschichte gibt es an der Universität Wien noch vieles auszusetzen. Zwar gab es in den letzten Jahren einige Bemühungen von ForscherInnen diese aufzuarbeiten, dies ist aber bei weitem noch nicht ausreichend und schlägt sich viel zu wenig im öffentlichen Auftritt der Uni Wien nieder. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Die Auflistung von NS-Rektoren auf der Ehrentafel ist immer noch unkommentiert und auf der Nobelpreisträgertafel stehen immer noch Opfer und Täter des NS-Regimes unkontextualisert nebeneinander.

In dieser Hinsicht ist es uns ein Anliegen, insbesondere auf das bevorstehende 650jährige Jubiläum der Universität hinzuweisen. Besonders wichtig scheint es uns, dass auch Studierende – beispielsweise im Rahmen von Lehrveranstaltungen- und die historischen Institute mit einbezogen werden.

 

Deswegen werden wir auch weiterhin aktiv gegen rechte ***** (finde selbst ein passendes Wort) ankämpfen und auch von der Universität eine kritische Auseinandersetzung mit ihrer austrofaschistischen und nationalsozialistischen Vergangenheit einfordern.

 

Master Forderungen:

 

Im Entwicklungsplan 2015 der Universität Wien ist festgelegt, dass das bisher breite Masterangebot im Bereich der Geschichte (5 den jeweiligen Instituten zugeordnete Master, 4 spezifisch thematische Master) radikal gekürzt wird. Übrigbleiben sollen ein Master Geschichte mit thematischen Schwerpunkten (Zeitgeschichte, Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Osteuropäische Geschichte, Frauen- und Geschlechtergeschichte, Europäische Geschichte, bisherige Schwerpunkte des Masters Geschichte), die Masterstudien „Globalgeschichte und Global Studies“ und „History and Philosophy of Science“, der Joint Degree „Women’s and Gender History (Matilda)“ sowie das gesetzlich verankerte Masterstudium „Geschichtsforschung, Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft“.

Diese radikale und weitreichende Änderung wurde weitestgehend ohne die Miteinbeziehung von Vertreter*innen der Studierenden und der Lehrenden durchgesetzt. Hintergrund sind im wesentlichen die mangelhafte Koordination vom gemeinsamen Lehrangebot und die damit einhergehende prekäre finanzielle Situation der bisherigen Master-Studiengänge. Außerdem scheinen einige Mitwirkende die Position zu vertreten, dass ein gemeinsamer Einheitsbrei-Master ein besseres Ausbildungs- und Forschungsprofil vermittelt, als die Verankerung und Sichtbarmachung der historisch gewachsenen Institute und Schwerpunkte in der universitären Lehre.

Eine Diskussion über die Notwendigkeit von 9 historischen Mastern wäre zweifellos notwendig gewesen. Besonders aber wäre es notwendig gewesen, breite Synergien und gemeinsame Möglichkeiten zu erörtern und wie es möglich gewesen wäre, ein Angebot aufrecht zu erhalten, das einerseits Alleinstellungsmerkmale aufzeigt, andererseits finanzier- und administrierbar ist. Der Blick über den österreichischen Tellerrand hinaus hätte gezeigt, dass sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz breitere Angebote – wenngleich nirgends in der bisherigen Breite der Universität Wien – üblich sind. Böse Zungen könnten unterstellen, dass die Universität Wien zur Kostenreduktion Studierende aus dem deutschsprachigen Ausland abschrecken will.

Nachdem der Zug einstweilen abgefahren zu sein scheint, wird es in den nächsten Jahren eine der Hauptagenden der Institutsgruppe Geschichte sein, das Masterstudium an der Universität Wien so zu gestalten, dass:

 

·         Studiengestaltung nach persönlichen Interessensschwerpunkten der Studierenden unter bestmöglicher Ausnutzung der Ressourcen der historischen Institute möglich ist.

·         Synergien geprüft und geschaffen werden, um Kostenreduktion um der Qualität willen zu verhindern.

·         die Bezeichnungen und Beschreibungen der zukünftigen Studien so eindeutig sein werden, dass bestmögliche Chancen auf dem akademischen und nicht-akademischen Arbeitsmarkt gewährleistet sind.

·         kritische Studieninhalte, die bisher in Masterstudien verankert waren, nicht finanziellen und strukturellen Sachzwängen zum Opfer fallen.

·         ein verstärktes Angebot an interdisziplinären Mastern geschaffen wird, um die Breite der an der Universität Wien vorhandenen Forschung auch in der Lehre abzubilden und den Anschluss an internationale Entwicklungen nicht weiter zu verlieren.

·         Zugangsbeschränkungen nicht eingeführt werden und dort wo qualitative Voraussetzungen wie etwa Sprachkenntnisse gefordert werden, ausreichende Angebote zur Vorbereitung vorhanden sind.

Diese Ziele (und vermutlich werden es situationsbedingt noch mehr werden) wird die IG Geschichte gemeinsam mit Lehrenden und Forschenden verfolgen um zu gewährleisten, dass nicht einer der größten historischen Schwerpunkte im deutschsprachigen Raum aus kurzsichtigen Motiven einerseits und bewusster Hintanstellung des historisch-kulturwissenschaftlichen  Bereichs andererseits massiv an Attraktivität und Bedeutung verliert.

 

 



[1] Vgl. zu diesen Zahlen: Gender im Fokus 6. Studium und Karrierewege an der Universität Wien: https://personalwesen.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/d_personalwesen/Gleichstellung/Dokumente/Datenbroschu__re-2018_18-11-22_web.pdf, zu letzt eingesehen am 29.04.2019